WILDES WILMERSDORF

Neu-Wilmersdorfer entdecken die Hood.

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Weichspülerkrieg in Wilmersdorf

Also, jetzt mal Interna, die Zeit ist gekommen. Der Weichspülerkrieg ist nämlich ausgebrochen.

Die Neuwilmersdorferin (Wilma) besteht darauf, dass die Bettwäsche und die Handtücher nach von einbeinigen blinden asiatischen Kinderzwangsarbeitern chemisch erzeugtem “Orchideen- und Vanilleduft” riechen. Der Neuwilmersdorfer (Wilmer) besteht auf dem reinen Duft von Wasser und konnte sich bisher zumeist durchsetzen, weil er von Geburt an waschaffiner ist. Kürzlich jedoch hat er eine Schlacht verloren, schon die zweite binnen Wochen – wieder hatte die Kreuzberger Taktik versagt.

In Kreuzberg war der Wilmer schlicht schneller. Kaum trällerte die Wilma “Muss mal wieder Wäsche waschen, lali-lala”, hatte er die Waschmaschine schon angeworfen.

"Oh, schön, danke, hast du Weichspüler rein?"
"Verdammt, vergessen."
"Immer vergisst du den Weichspüler."
"Weil er so überflüssig ist. Reine Chemie. Ökotest schreibt …"
"Ja, ja, ich will aber Handtücher, keine Handbretter.”
"Aber jeder weiß, dass Weichspüler …"
"Denkst du beim nächsten Mal dran?"
"Versprochen."

Lange ging das gut. Nicht immer, aber meistens.

Nicht mehr in Wilmersdorf.

In Wilmersdorf liegt etwas in der Luft, das macht selbst die Wilma waschaktiv. Jedes Auto glänzt frisch gewaschen. Jeder zweite Passant duftet nach sauberer Bettwäsche. Die Pudel sind gestutzt und taumeln, ihr Fell riecht nach Orchideen & Vanille. Selbst harte Wilmersdorfer Machos wirken wie weichgespült. Neulich legte der türkische Obst- & Gemüsehändler proaktiv die Hand auf Wilmers Arm – und riss sie erschrocken zurück. Na und, dachte der Wilmer, ich wasche eben ohne, Scheißwarmduscher.

Jedenfalls die Wilma, kürte die in Wilmersdorf das Wäschewaschen überraschenderweise zur zweitliebsten Beschäftigung. Bevor der Wilmer die dräuende Gefahr auch nur erahnt, hört er nun die Waschmaschine schleudern.

"Wäschst du?"
"Ja, warum?"
"Was denn?"
"Bettwäsche, warum?"
"Mit Weichspüler?"
"Klar, warum?"
"Auch meine Bettwäsche?”
"Natürlich, warum?"
"Ich hasse den Geruch von Weichspüler in meiner Bettwäsche!”
"Verdammt, vergessen."
"Denkst du beim nächsten Mal dran?"
"Versprochen."

Aber die Wilma vergisst und vergisst … und vergisst. Die Nächte im Orchideentreibhaus werden zur Qual für den Wilmer. Schlaf findet er kaum noch, Albträume plagen ihn: Arbeitslose Diplomchemikerinnen entführen ihn und wälzen ihn in gelblich glibbrigem Orchideen- und Vanillesud. Dann kommt er in die Trommel.

Die Wilma kennt kein Mitleid, sie setzt nach, der Moment ist günstig.

"Sind da auch Männer dabei?"
"Das Licht …"
"Bei den Entführern."
"Bitte mach doch das Licht …"
"Dachte ich’s mir doch! Bloß die Frauen sind arbeitslos, was? Manchmal bist du echt so ein Chauvi!"
"… wieder aus, Schatz, bitte, das Licht … Wäschst du?”
"Es ist vier Uhr morgens."
"Schleudert da keine Waschmaschine?"
"Nein, da schleudert bloß dein Chauvihirn."

(Wikipedia)

Der Wilmer kommt ganz aus dem Tritt, wird immer blasser und vanilliger im Gesicht. Das Leben ist ihm eine Tortur geworden. Nachts drückt er die Nase in chemische Orchideenverbindungen, tags treibt ihm der blühende Wäscheständer Tränen in die Augen.

Nach ein paar höllischen Wochen ist er zu allem bereit.

"Ich will die Trennung."
"Spinnst du?"
"Die Trennung der Wäsche."
"Ach so."
"Wir haben getrennte Konten, warum nicht auch getrennte Schmutzwäschen?"
"Weil Schmutzwäsche mehr Platz braucht als ein Konto?"
"Du und deine komische Logik."
"Am Ende willst du noch eine eigene Waschmaschine."
"Ich denke darüber nach."
"Und wo willst du die hinstellen?"
"Neben deine."
"Da steht der Schrank mit meinen Schuhen."
"Die brauchst du doch sowieso nicht."
"Wie bitte?"
"Du meisten ziehst du nie …"
"Dann lieber getrennte Wäsche."

Man reicht sich die Hand. Der Weichspülerkrieg ist beendet, von einem Moment auf den anderen, dank instinktiv brillanter Diskussionslenkung. Ein Hoch auf Wilmas Schuhe, denkt der Wilmer, was wäre er ohne.

Jeder wäscht von nun an für sich. Der Wilmer träumt wieder von sinnvollen Dingen, die Wilma sieht davon ab, um vier Uhr morgens das Licht einzuschalten. Zufriedenheit hält Einzug im wilden Hause Wilmersdorf. Alles wäre perfekt, wenn den Wilmer nicht hin und wieder der stachlige Gedanke piekte, dass die Wilma es von Anfang an darauf abgesehen haben könnte.

Dass er seine Scheißwäscheberge selber wäscht.

  1. von wildesdorf gepostet
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